Reisen

Eine Woche in Bad Kissingen

Wanderkurzurlaub in der Rhön

AUTOR : Helmut Wegmann            GESCHÄTZTE LESEZEIT : 4 Minuten, 59 Sekunden

   Ausblick auf Bad Kissingen während der Sisi-Runde

Unseren ersten Plänen für einen Wanderurlaub machte die Flutkatastrophe vom 14-15. Juli ein Strich durch die Rechnung. Nach einigen Aufräum- und Organisationsarbeiten, wie z.B. Anschaffung eines neuen, fahrbaren Untersatzes, wurde es für uns langsam Zeit den sich in Leichlingen immer noch auftürmenden Müll-, Schutt- und Abfallhalden zu entfliehen. Ziel unserer Flucht war Bad Kissingen, das wir als Standort für einen kleinen Wanderurlaub auserkoren hatten.

1. Einleitung

Unsere Buchung erfolgte kurzfristig nachdem meine Wetter-App eine ausreichend stabile Wetterlage gemeldet hatte. Wir entschieden uns für das Hotel Frankenland, wo wir 7 Übernachtungen buchten. Ausschlaggebend war für uns die zentrale Lage und das Vorhandensein eines Kühlschrankes auf dem Zimmer. Dieser ermöglichte es uns die Marschverpflegung für die vorgesehenen Tagesausflüge selbst zuzubereiten.

 
Kurpromenade von der Ludwigsbrücke

Die Anfahrt verlief glatt und wir kamen am Dienstag den 10.08 nachmittags an. Einkaufsmöglichkeiten gab es in fußläufiger Entfernung vom Hotel. Den Wagen parkten wir in der sehr engen Tiefgarage des Hotels. Zum Glück war unser neues Auto etwas kleiner als sein im Hochwasser abgesoffener Vorgänger. Das Hotel selbst ist von außen eher ein häßlicher Betonklotz, aber halt sehr zweckmäßig. Das Frühstück war hervorragend und das Schwimmbad wurde von uns auch genutzt.

2. Ausflug zur Wasserkuppe

Nachdem unsere erste Wanderung mit einer anschließenden Stadtbesichtigung kilometermäßig etwas aus dem Ruder gelaufen klagte Petra : „Ich arme alte Frau muß hier über 19 km am Tag laufen, morgen ist Pause !“. Daher stand am Folgetag ein Ausflug ohne große Wanderung an.

Wir einigten uns auf die Wasserkuppe, dem mit 950 m höchstem Berg der Rhön.  Schon während der Anfahrt hatten wir Gelegenheit unterwegs die schöne Gegend zu genießen. Am Ziel angekommen waren wir zunächst etwas geschockt von den riesigen Parkplätzen kurz unterhalb der Gipfelkuppe. Nun denn, da muß man wohl durch wenn man die Aussicht genießen will. Die ist vom Gipfel aus wirklich phänomenal. Wir drehten dort eine kleine Runde und bewunderten dabei die startenden Paragleiter. Auf dem Flugplatz herrschte reger Flugbetrieb. Entweder wurden Segelflieger hochgeschleppt oder es wurden Touris in einem Rundflug nach oben transportiert.

 
Die Radarkuppel steht auf dem Gipfel
Ideales Gelände für Paragleiter
Aussicht in Richtung Südwesten
Blick in nördliche Richtung

Der Flugbetrieb hier hat eine längere Geschichte. Schon Petras Vater „genoss“ hier seine Pilotenausbildung während des II-Weltkrieges. Im Kalten Krieg gab es auf dem Gipfel zahlreiche Radarinstallation die in die DDR hinein horchten und sahen. Heutzutage gibt es kurz unterhalb des Gipfels ein wildes Gemisch aus Pommes Buden, Karussels, Sommerrodelbahn etc. Es war ein Rummel wie auf einem Jahrmarkt den wir uns fassungslos ansahen, vor dem wir aber schon bald die Flucht ergriffen. Trotzdem : Wegen der Aussicht lohnt es sich m.E. das in Kauf zu nehmen.

3. Wanderungen in der Rhön

Normalerweise erstehe ich für einen solchen Wanderurlaub einen Wanderführer. Für die Rhön gibt es aber eine hervorragende Website auf denen viele Wanderungen vorgestellt werden und deren Tracks man sich von dort runter laden kann. Hervorzuheben sind dabei die sog. Extratouren bei denen ich mich ausgiebig bediente. Die vier Extratouren die wir letztendlich liefen habe ich in separaten Artikeln beschrieben, sodaß ich an dieser Stelle lediglich eine „Wanderkarte“, auf der die Touren eingetragen und verlinkt sind, einfügen möchte :

 

Natürlich zieht man bei solchen Wanderungen auch Vergleiche zu den Gegenden in denen man sonst so wandert. Bei uns sind dies die Eifel und das Bergische Land. Die Rhön liegt weiter abseits, die Wanderwege sind daher viel weniger bevölkert als wir es aus unserer Heimat gewohnt sind. Weiterhin ist der Laubwaldanteil höher als z.B. im Bergischen Land. Dementsprechend sahen wir dort halt auch keine kaputten Nadelwälder die uns in unserer Heimat gelegentlich doch schon etwas aufs Gemüt gehen können. Der Waldanteil bei den Wanderungen in der Rhön ist deutlich höher, bei heißen Wetter kann dies angenehm sein, ansonsten lieben wir aber die Ausblicke über das hügelige Bergische Land. Bei Auswahl einer Wanderung sollte man dies berücksichtigen. Ebenso sind die Berge hier etwas höher, man muss also mit mehr rauf und runter rechnen. Da wir beide zusammen nunmehr fast 140 Jahre alt sind ist dies ebenfalls ein Faktor den wir bei der Auswahl berücksichtigten. Alles in allen würde ich sagen : die Rhön ist so schön zum Wandern das wir bestimmt wieder kommen werden.

4. Runde zum Gradierwerk

Den letzten Tag unseres Urlaubs wollten wir mit kürzeren Spaziergängen in Bad Kissingen verbringen. Auch hier verspricht die bereits zuvor so hochgelobte Website Hilfe. Als erstes suchten wir uns dort die Runde zum Gradierwerk aus die wir dann aber doch deutlich abwandelten. Statt den Rückweg vom Gradierwerk durch den Wald zu nehmen, wanderten wir einfach auf einem Wiesenweg auf der anderen Seite der Saale wieder zurück zum Kurpark. Durch den waren wir in den letzten Tagen genug gewandert. Außerdem war es nicht mehr so heiß als das sich eine Waldwanderungen empfohlen hätte.

Wir starteten im Zentrum von Bad Kissingen an der Ludwigsbrücke und wanderten den breiten Spazierweg flußaufwärts in Richtung Gradierwerk, welches wir dann auch besichtigten.  Die Berieselungsanlage war aktiv und man konnte dort die salzhaltige Luft einatmen. Das hatte etwas von einem Nordseeurlaub. Der Rückweg erfolgte auf der anderen Seite der Saale vorbei an dem Flughafen von Bad Kissingen, der aber nur auf besondere Anmeldung hin genutzt werden kann. Betrieben wird er von einem Luftsportverein. PS : die Runde kann auch mit dem Rad gemacht werden.

5. Sisi Runde

Da die ehemalige Kaiserin von Österreich hier öfters kurte, gibt es hier auch eine Sisi-Runde.

Die kann man am Kurgarten starten und durchwandert dann die Parkanlagen der Stadt. Allerdings muss man auch etwas durch den Wald den Berg rauf. Dafür wird man aber mit einer schönen Aussicht auf den Ort belohnt (siehe Beitragsbild).

 
Panorama von der Fußgängerbrücke über der Saale aus

Nach dem Rückweg vom Berg runter wandert man dann überwiegend an der Saale entlang zurück zum Kurgarten. Unterwegs sieht man zahlreiche Wegweiser von alternativen Kurzwanderungen die in Bad Kissingen gemacht werden können. Wer solche sucht, orientiert sich am besten an der bereits mehrfach genannten Website.

6. Résumé

Ich hoffe man kann meiner Schilderung entnehmen das uns der Urlaub hier sehr gefallen hat. Wir hätten gerne noch um eine ganze Woche verlängert und uns wäre bestimmt nicht langweilig geworden. Leider war der Wettergott gegen uns.

Etwas was wir gar nicht gemacht haben, einfach weil es viel zu wandern gab, sind Ausflüge nach Fulda oder Würzburg. Schade, manchmal ist die Zeit einfach zu kurz.

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  1. Schon erstaunlich: Auf der Website des Hotels wird wirklich jede Aussenansicht vermieden. Man könnte glatt meinen, daß einen das sehr wohl abgebildete klassizisstische Schlösschen erwartet. Hört sich aber ansonsten alles sehr gut und nachahmenswert an.

    • Helmut Wegmann

      So ist es ! Schon alleine die Tatsache das wir bei besserer Wetterprognose in dem Hotel noch um 1 Woche verlängert hätten spricht für den „Betonklotz“ !

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