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Ein Makro zum 24-120-er Zoom-Objektiv ??

Eher ein nice-to-have als ein must-have

AUTOR : Helmut Wegmann            GESCHÄTZTE LESEZEIT : 7 Minuten, 1 Sekunden

   Gestackt aus 12 Einzelaufnahmen

Vor einiger Zeit hatte ich mein Standardzoom Nikkor Z 24-70 mm f/4 S gegen das neue Nikkor Z 24-120 mm f/4 S getauscht. Ein Argument für das Neue war dessen geringerer zulässiger Mindestabstand und der damit verbundene Abbildungsmaßstab von 1:2,6.

1. Einleitung

Ich hatte ein altes AF-S VR Micro-Nikkor 105 mm 1:2,8G IF-ED welches über FTZ Adapter an der Z7 funktionierte. Dabei war der FTZ Adapter dem Stativ Anschluss im Wege und die Handhabung beim Objektivwechsel war einfach nur nervig. So mußte das alte Makro gehen und wurde bei eBay verkauft, ebenso das alte 24-70-er Zoom. Es war zunächst die Hoffnung da, daß das neue Zoom wegen des günstigen Abbildungsmaßstabes das Makro ganz ersetzen könnte.

Ein neues 105-er Z Makro wurde in verschiedenen Testberichten, z.B. bei Cameralabs, digitalkamera, ePhotozine etc. allseits gelobt. Übereinstimmend in den Tests ist das die Schärfe im Zentrum bei Bl. 4 ihr Maximum erreicht, an den Rändern bei Blende 8. Dabei ist bei Blende 8 die Zentrumsschärfe nur geringfügig schlechter. Gegenüber dem Zoom hat es auf dem Papier folgende Vorteile : höhere Lichtstärke, bessere Abbildungsleistung im Fern- und Nahbereich, besserer Abbildungsmaßstab und einen Bildstabilisator. Es war nur schwer zu bekommen und als ich bei Idealo ein Angebot eines Aschaffenburger Händlers fand, konnte ich nicht widerstehen und warf alle meine Vorsätze über Bord ….

Beim Auspacken dachte ich zuerst, wow was für ein Klotz. Als ich es in Hand hielt : das ist aber leicht. Ich startete gleich mit paar eigenen Testaufnahmen.

2. Vergleich an der Bücherwand

Zum Vergleich der beiden Objektive machte ich mein übliches Bücherwandfoto, d.h. Stativ, Selbstauslöser, ISO 64, Aufnahmeabstand 3 m und das Zoom wurde auf 105 mm gestellt was nicht ganz einfach war. Beide Aufnahmen erfolgten mit Blende 4 und in Lightroom bei beiden lediglich eine Basisbearbeitung durchgeführt.

 
1:1 Ausschnitt-linke obere Ecke-105-er Macro bei Bl.4
1:1 Ausschnitt linke obere Ecke- 24-120-Zoom bei 105mm und Bl. 4

Das Makro ist, wie man auch hier in obigen den Ausschnitts-Bildern sehen kann, an den Rändern und in den Ecken deutlich besser als das Zoom. Im Zentrum ist es ebenfalls besser, allerdings ist der Unterschied geringer. Am Bildschirm ist er für mich gerade noch so zu erkennen. Nach dem Einfügen in den Blog sieht man nur noch wenig, daher lasse ich den Vergleich im Zentrum weg.

3. Vergleich bei Nahaufnahmen

Das Zoom erlaubt einen Abbildungsmaßstab von 1:2,6, das Makro von 1:1. Für einen Vergleich fotografierte ich eine Briefmarke mit dem Zoom bei 120 mm und so nah ran wie es geht. Danach ein Bild mit dem Makro im gleichen Abbildungsmaßstab. Beide Aufnahmen wurden mit Blende 5.6 gemacht. Das Makro ist über den gesamten Bildbereich besser, auch wenn sich das Zoom recht wacker schlägt :

 
1: 1 Ausschnitt aus der Zoom Aufnahme
1:1 Ausschnitt aus der Aufnahme mit dem Makro Objektiv

4. Welche Blende für den Nahbereich ?

In einem der zitierten Reviews (ePhotozine) gab es zahlenmäßige Angaben zur Auflösung des Nikkor Z MC 105 bei verschiedenen Blenden :

Auflösung des Nikkor MC 105 mm S nach ePhotozine

Ich wollte mir an einem eigenen Beispiel anschauen was für mich das Optimum sein würde und wählte mir wieder eine Briefmarke als Vorlage. Dabei mußte ich feststellen das bei Blende 4, der laut Test-Reviews im Zentrum die schärfsten Blende, nicht die gesamte Briefmarke gleich scharf abgebildet ist. Dies kann an mangelnder Planlage aber auch an einer nicht exakt ausgerichteten Kamera liegen. Für meine Aufnahmen bei verschiedenen Blenden (4, 8, 16, 22 und 36) fokussierte ich daher auf die Zahl 5 in der Marke und vergrößerte in Lightroom den entsprechenden Ausschnitt von dem dann ein Screen-Shot gemacht wurde.

 
Gesamtansicht der Briefmarke bei Blende 4
Fokussiert wurde auf die 5 bei Blende 4
Fokussiert wurde auf die 5 bei Blende 8
Fokussiert wurde auf die 5 bei Blende 16
Fokussiert wurde auf die 5 bei Blende 22
Fokussiert wurde auf die 5 bei Blende 36

Die Ausschnitte bei Blende 4 und 8 sind m.E. nach gleichwertig. Ab Blende 16 wird es schwächer, was für mich aber erst ab Blende 22 deutlich zu erkennen ist. Ich würde daher folgende Schlußfolgerungen ziehen : 1. Wenn ein Fokus-Stacking vorgesehen ist um maximale Tiefenschärfe zu erreichen, sollte für die Einzelaufnahmen Blende 8 gewählt werden. 2. Soll es bei einer Einzelaufnahme bleiben so kann man bis Blende 16 gehen, der Gewinn an Tiefenschärfe überwiegt gegenüber dem Auflösungsverlust.

5. Vergleich bei größeren Entfernungen

Erwartungsgemäß lieferte das Makro im Nahbereich bessere Ergebnisse als das 24-120-er Zoom. Natürlich stellte sich mit auch die Frage ob dies auch bei größeren Entfernungen der Fall ist. Lohnt es sich etwa bei einer Landschaftsaufnahme das Zoom abzuschrauben und durch die Makro-Festbrennweite zu ersetzen ? Zu diesem Zweck machte ich aus der Wohnung heraus Vergleichsaufnahmen bei Blenden von 4 bis 22. Die beiden Beispielbilder sind unbearbeitet, wurden demzufolge nicht nachgeschärft.

 
Aufnahme mit dem Makro Bl. 4 - Zentrumsausschnitt
Aufnahme mit dem Zoom Bl. 16 - Zentrumsausschnitt

Das Makro-Objektiv ist bei Blende 4 schärfer als das Zoom, deutlich erkennbar allerdings nur in der 1:1 Ansicht. Der Unterschied nimmt mit kleinerer Blende ab und ist bei Blende 11 für mich kaum noch zu erkennen. Allerdings ist hier die Schärfe auf etwas niedrigerem Niveau als bei Blende 4. Bei den für das WEB runter skalierten Bildern wird es noch schwieriger den Unterschied zu sehen. Bei einer Diashow auf einem großen 4K TV konnte ich keinen Unterschied erkennen.

Bei dieser Gelegenheit hatte ich auch Vergleichsaufnahmen zwischen meinem Nikkor S 14-30 mm f/4 und der Weitwinkelfestbrennweite Nikkor S 20 mm f/1,8 gemacht. Auch hier war die Festbrennweite besser. Die Differenz hier empfand ich größer als den zuvor geschilderten Unterschied bei 105 mm. Das feste Weitwinkel Objektiv ist bis Blende 11 besser. Ab Blende 16 sind beide gleichwertig, wegen der hier eintretenden Beugung allerdings auf niedrigerem Niveau.

Wenn ich auf einer meiner Wanderungen zusätzlich zu dem „gesetzten“ 24-120-er Zoom eine Festbrennweite mit nehme so wird es eher das 20-er Weitwinkel sein. Das Makro würde ich nur einpacken wenn auch Makroaufnahmen gemacht werden sollen.

6.  Beispiele

Anschließend noch ein Bild mit dem Makro unter Ausnutzung dessen maximalem Abbildungsmaßstab (hier im Beispiel knapp 1:1) und unter normaler Bearbeitung in Lightroom. Zunächst hatte ich eine Blendenserie von Bl. 4 bis Bl. 22 erstellt. Da die Marke nicht genau plan liegt wurde  Blende 22 benötigt um alles im Fokus zu haben. Wegen der dabei abnehmenden Schärfe ist ein Stack erforderlich. Dabei  muss am Makroschlitten sehr fein justiert werden da Tiefenschärfe hier sehr, sehr gering ist. Als jpeg ist die Datei 32 MB gross und mußte daher auf die hier üblichen 250 kb runter skaliert werden :

ISO 65 Blende 8 Nikkor S MC 105 – aus 9 Einzelbildern gestackt

So zum Spaß wollte ich mich an einem Foto einer geerbten Münze versuchen. So einfach wie ich dachte war das gar nicht. Zum einen muß man mit dem Licht aufpassen damit es keine Reflexionen gibt. Am einfachsten und im ersten Ansatz am besten ist Tageslicht bei bedecktem Himmel. Bei Blende 5.6, dem sweet spot meines Makros, ist die Tiefenschärfe beim Abbildungsmaßstab 1:2, das Objektiv zeigt diesen auf seinem Display an, so gering das mit Nichten alles scharf ist. Bei Blende 16 war dies zwar besser, aber die Schärfe ging schon runter. Also machte ich die Bilder mit dem Makro Schlitten. Dabei fuhr ich aus dem Schärfebereich raus und fuhr mit dem Schlitten langsam in die Schärfe rein bis über das Ende des Schärfebereichs hinaus. Von den 12 Bildern wurden in Lightroom 5 gelöscht, der Rest wurde gestackt. Was mir jetzt noch nicht ganz so passt ist die Beleuchtung (noch softer) und die Münze hätte ich vorher putzen müssen :

Mit Nikkor Z 105MC bei Bl. 5.6 – 8 Stacks mit Helicon Focus

Die beiden vorigen Bilder hätte man wohl auch noch mit dem 24-120 Zoom irgendwie so hinbekommen. Das folgende Innenleben einer Tulpe mit Sicherheit nicht :

Aus 34 Einzelbildern gestackte Tulpe

Ich hatte einen Blumenstrauss gekauft und diesen auf dem Tisch plaziert. Die 34 Einzelbilder wurden mit ISO 64 bei Blende 8 aufgenommen. Stativ und Makroschlitten standen auf dem gleichen Tisch. Jedes mal wenn ich Kamera oder Schlitten bediente wackelte das Bild im Sucher ganz schön. Nach den 5 Sec. Vorlaufzeit des Selbstauslösers hatte sich das Ganze aber wieder beruhigt. Auch wenn sich das Ergebnis sehen lassen kann so werden ich das nächste Mal das Stativ vor den Tisch stellen. Die Fernauslöserfunktion von Snapbridge mag ich nicht so sehr da sie seltsamerweise erst ab ISO 100 funktioniert.

7. Résumé

Auch wenn mich das letzte Bild etwas zweifeln läßt so bleibe ich doch bei der im Untertitel gemachten Aussage das dieses Objektiv für mich ehrlicherweise ein „nice to have“ aber kein „must have“ ist. Das 24-120 er Zoom langt für einfache Blümchenbilder auf einer Wanderung und man kann damit sicherlich auch Briefmarken fotografieren. Wenn man jedoch das Maximum an Abbildungsqualität im Nahbereich raus holen möchte bzw. verstärkt auch in Richtung 1:1 Abbildungsmaßstab geht so führt kein Weg an einem Makro vorbei. Das Nikkor MC S 105 mm ist dann sicherlich die allererste Wahl für einen „spiegellosen Nikon Knipser“.

Mein Kaufentschluss war aber letztlich geprägt vom „Haben-Wollen-Prinzip„. Die zu anfangs geschilderten Vorteile aus den im Internet gelesenen Tests wie :
1. Bessere Abbildungsleistung im Nah- und Fernbereich
2. Abbildungsmaßstab 1:1
3. 1 Blendenstufe bessere Lichtstärke im Vergleich zum Zoom
4. Bildstabilisator
konnte ich zwar im Prinzip bestätigen, sie werden aber nicht dazu führen das ich zusätzlich zu dem 24-120 Zoom noch das Makro bei Wanderungen einpacken werde. Die eine Blendenstufe bringt kein wesentlich besseres Bokeh und wenn absehbar ist das es Dunkel werden könnte packe ich lieber eine f 1;8 Festbrennweite (50-er oder 20-er) ein.

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